Mehr Verlässlichkeit für Familien – die KiBiz-Reform in Nordrhein-Westfalen

Die frühkindliche Bildung ist ein zentraler Baustein für faire Chancen im Leben. Gleichzeitig ist eine verlässliche Kinderbetreuung für viele Familien die Grundlage dafür, Alltag, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Genau hier setzt die Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) in Nordrhein-Westfalen an.

Nach intensiven Gesprächen mit Eltern, Trägern, kommunalen Spitzenverbänden, Kirchen, der freien Wohlfahrtspflege und Gewerkschaften haben wir den Gesetzentwurf gezielt weiterentwickelt. Das Ziel ist klar: mehr Stabilität, mehr Verlässlichkeit und bessere Rahmenbedingungen für Kinder, Familien und Beschäftigte in den Kitas.

► Ein System unter Druck – und mit klaren Aufgaben

In den vergangenen Jahren haben wir massiv in die frühkindliche Bildung investiert. Heute fließt mehr als doppelt so viel Geld in das Kita-System wie noch vor zehn Jahren. Allein im Jahr 2026 investieren wir rund 6,2 Milliarden Euro in die Kinderbetreuung, zusätzlich stehen in den kommenden Jahren 1,5 Milliarden Euro für Investitionen bereit.

Gleichzeitig ist das System stark gewachsen: Die Zahl der betreuten Kinder ist in den letzten 15 Jahren um etwa 30 Prozent gestiegen, die Zahl der Beschäftigten sogar um rund 90 Prozent. Das zeigt, wie groß die Anstrengungen bereits sind – aber auch, wie stark die Belastung im Alltag vieler Einrichtungen bleibt.

Trotz aller Fortschritte kommt es immer noch vor, dass Gruppen kurzfristig schließen müssen oder nur eine Notbetreuung möglich ist. Genau hier setzen wir mit der Reform an: Wir wollen die Kitas widerstandsfähiger machen und ihnen mehr Handlungsspielraum geben.

► Mehr Flexibilität bei Gruppengrößen – mit klaren Regeln

Ein zentraler Punkt der Reform betrifft die Gruppengrößen. Künftig bleibt es dabei, dass Gruppen dauerhaft um maximal zwei Kinder überbelegt werden können – vorausgesetzt, das notwendige Personal ist vorhanden.

Neu ist eine zusätzliche, zeitlich befristete Möglichkeit: Für maximal sechs Wochen im Jahr können bis zu zwei weitere Kinder aufgenommen werden. Das hilft vor allem in Ausnahmesituationen, etwa bei kurzfristigen Krankheitsfällen im Team. Gerade im Alltag bedeutet das eine spürbare Entlastung: Statt Gruppen schließen zu müssen oder Familien kurzfristig ohne Betreuung dastehen zu lassen, können Kitas flexibel reagieren. Wichtig ist dabei: Die Genehmigungspflicht entfällt, die Anzeigepflicht bleibt bestehen. So schaffen wir mehr Spielraum, ohne die notwendige Kontrolle aufzugeben.

► Verlässliche Unterstützung: Kita-Helfer dauerhaft sichern

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die dauerhafte Verankerung der Kita-Helfer im Gesetz. Diese Kräfte übernehmen nichtpädagogische Aufgaben im Alltag und entlasten so das Fachpersonal ganz konkret.

Künftig erhält jede Kita einen festen Zuschuss von 16.200 Euro pro Jahr – unabhängig von ihrer Größe. Das ist ein entscheidender Fortschritt, denn gerade kleinere Einrichtungen profitieren so erstmals verlässlich von diesem Programm. Insgesamt stellen wir dafür zusätzlich über 37 Millionen Euro bereit. Damit schaffen wir Planungssicherheit und sorgen dafür, dass pädagogische Fachkräfte sich stärker auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können: die Förderung und Begleitung der Kinder.

► Kern- und Randzeiten: Mehr Spielraum für den Kita-Alltag

Auch bei den Betreuungszeiten gehen wir einen wichtigen Schritt: Mit der Einführung von Kern- und Randzeiten erhalten Träger künftig mehr Flexibilität bei der Organisation des Personaleinsatzes.

Die Kernzeit wird auf mindestens 35 Stunden pro Woche erhöht. In dieser Zeit gelten weiterhin die bestehenden Qualitätsstandards. Gleichzeitig können die Einrichtungen die Verteilung der Zeiten innerhalb der Woche flexibler gestalten – angepasst an den tatsächlichen Bedarf vor Ort.

Auch in den Randzeiten bleibt sichergestellt, dass qualifiziertes Personal eingesetzt wird. Damit verbinden wir zwei wichtige Ziele: mehr Flexibilität im Alltag der Kitas und gleichzeitig eine verlässliche Qualität in der Betreuung.

► Sprachbildung stärken – für echte Chancengerechtigkeit

Sprache ist der Schlüssel für Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe. Zur Stärkung der Chancengerechtigkeit entwickeln wir die Sprachbildung gezielt weiter. Dafür stellen wir jährlich über 50 Millionen Euro zusätzlich bereit, insbesondere für plusKitas und Fachberatung. Die Gesamtförderung steigt um rund 40 Millionen Euro auf 203,90 Millionen Euro, die Pauschale je plusKita auf 52.875 Euro. Gleichzeitig investieren wir rund 6,8 Millionen Euro in den Ausbau der Fachberatung; der Zuschuss je plusKita beträgt künftig 3.480 Euro. So sichern wir bestehende Strukturen, bauen Angebote weiter aus und gewährleisten eine qualifizierte Beratung für alle plusKitas. Ziel ist eine alltagsintegrierte Sprachbildung, die jedes Kind erreicht – von Anfang an.

► Investitionen in Personal und Ausbildung

Langfristig kann ein stabiles Kita-System nur mit ausreichend qualifiziertem Personal funktionieren. Deshalb investieren wir gezielt in die Ausbildung und gewinnen neue Fachkräfte.

Für die Praxisanleitung stellen wir zusätzliche ca. 18,3 Millionen Euro bereit. Zusammen mit bereits geplanten Mitteln investieren wir künftig insgesamt 68 Millionen Euro in die Ausbildungs- und Personaloffensive. Damit verbessern wir die Rahmenbedingungen für angehende Fachkräfte und tragen dazu bei, die Qualität der Ausbildung zu sichern und Abbrüche zu reduzieren.

► Gemeinsam getragen – im engen Austausch entwickelt

Die Reform ist das Ergebnis eines intensiven und vertrauensvollen Austauschs mit allen relevanten Akteuren. Die Landesregierung hat von Beginn an eng mit Trägern, Kommunen, Verbänden und Gewerkschaften zusammengearbeitet.

Viele Rückmeldungen aus der Praxis sind direkt in die Überarbeitung des Gesetzentwurfs eingeflossen. Ziel war und ist es, eine Lösung zu entwickeln, die im Alltag tatsächlich funktioniert und von einer breiten Basis getragen wird.

Der Gesetzentwurf befindet sich derzeit in der parlamentarischen Beratung. Die nun vorgesehenen Anpassungen werden von der CDU und Bündnis 90/Die Grünen als Änderungsantrag eingebracht, um das Gesetz weiter zu verbessern.

► Unser Ziel: Verlässlichkeit für Familien und gute Bedingungen für Kitas

Mit der KiBiz-Reform schaffen wir die Grundlage für ein stabileres und verlässlicheres System der frühkindlichen Bildung. Wir geben den Kitas mehr Flexibilität, stärken die Sprachbildung, entlasten das Personal und investieren gezielt in die Zukunft. Für mich ist entscheidend: Familien müssen sich darauf verlassen können, dass Betreuung funktioniert – auch dann, wenn es im Alltag einmal eng wird. Gleichzeitig brauchen die Beschäftigten in den Kitas gute Rahmenbedingungen, um ihre wichtige Arbeit leisten zu können. Mit dieser Reform gehen wir einen wichtigen Schritt in diese Richtung.

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