Wie funktionieren demokratische Prozesse? Was passiert, wenn Populismus immer mehr Raum bekommt? Wie entstehen Mehrheiten und Koalitionen – und wie schnell können demokratische Strukturen ins Wanken geraten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das politische Kartenspiel „Dindex – Demokratie steht auf dem Spiel“, das mir sein Entwickler Lars-Michael Stock aus Hemer vorgestellt hat.
Und ich muss sagen: Die Idee hat mich wirklich begeistert.
Bei „Dindex“ übernehmen die Spieler unterschiedliche, zunächst verdeckte Rollen. Sie kämpfen um Wählerstimmen, führen Wahlkampf, schmieden Koalitionen und versuchen, Regierungsaufgaben zu erfüllen. Gleichzeitig gibt es einen Demokratie-Index, der sich durch die Entscheidungen der Spieler verändert. Populistische, extremistische oder rechtsfeindliche Aktionen können kurzfristig Vorteile bringen – gleichzeitig aber die demokratische Ordnung immer weiter schwächen.
Genau darin liegt für mich die besondere Stärke des Spiels: Demokratie wird nicht abstrakt erklärt und auch nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt. Stattdessen erleben die Spieler unmittelbar, welche Folgen Entscheidungen haben können. Sie müssen miteinander reden, verhandeln, Kompromisse schließen und Mehrheiten organisieren. Und sie merken: Eine Demokratie funktioniert nur, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung für sie zu übernehmen.
Dass dieser Ansatz gerade auch bei jungen Menschen funktioniert, hat Lars-Michael Stock erst kürzlich am Friedrich-Leopold-Woeste-Gymnasium in Hemer gezeigt. Im Rahmen der Projektwoche beschäftigte sich dort eine Schülergruppe intensiv mit „Dindex“. Einige Schülerinnen und Schüler wurden zunächst von Lars-Michael Stock zu Spiele-Experten ausgebildet und gaben ihr Wissen anschließend an ihre Mitschüler weiter. Dabei wurde gespielt, diskutiert, taktiert und ganz praktisch erfahren, wie demokratische Prozesse funktionieren – und wie schnell demokratische Regeln unter Druck geraten können. Das Projekt kam so gut an, dass die Schule mehrere Exemplare des Spiels angeschafft hat und die Erfahrungen künftig auch für weitere Projekte nutzen möchte.
Auch über Hemer hinaus findet „Dindex“ inzwischen Beachtung. Auf der Spielemesse Stuttgart wurde es im März 2026 zum „Lernspiel des Monats“ gewählt und damit zugleich für das „Lernspiel des Jahres“ nominiert. Die Jury hob insbesondere hervor, dass ein aktuelles politisches Thema kurzweilig und zugleich mit der notwendigen Tiefe umgesetzt werde – und dass gerade die Diskussionen während des Spiels deutlich machten, dass Demokratie nur gemeinsam funktioniert.
Mittlerweile ist das Spiel sogar in der Erwachsenen- und strategischen Bildung angekommen. Beim Ausbildungskongress der Bundeswehr in Hamburg wurde „Dindex“ gemeinsam mit Lars-Michael Stock im Umfeld der Führungsakademie der Bundeswehr als sogenanntes „Serious Game“ präsentiert. Dort ging es unter anderem darum, mit Simulationen und Spielen Entscheidungsprozesse, gesellschaftliche Resilienz und den Umgang mit demokratiegefährdenden Entwicklungen zu thematisieren.
Für mich zeigt all das: Politische Bildung kann und darf neue Wege gehen. Gerade wenn wir junge Menschen für Demokratie interessieren wollen, müssen wir Formate finden, die neugierig machen, zum Mitmachen einladen und Diskussionen auslösen. Ein Spiel kann den Politikunterricht natürlich nicht ersetzen – aber es kann einen ganz anderen Zugang zu Themen eröffnen, die auf dem Papier manchmal ziemlich trocken wirken.
Ich finde es besonders schön, dass eine solche Idee direkt aus meinem Wahlkreis kommt: entwickelt in Hemer, bereits praktisch mit Schülerinnen und Schülern erprobt und inzwischen weit über die Region hinaus wahrgenommen.
Eine richtig gute Idee und ein spannender Ansatz, um zu zeigen, dass Demokratie nichts Selbstverständliches ist, sondern von Beteiligung, Verantwortung und dem gemeinsamen Einstehen für ihre Regeln lebt.
Danke an Lars-Michael Stock für die Vorstellung und den spannenden Austausch!