Vor fünf Jahren traf die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte Nordrhein-Westfalens unser Land mit voller Wucht. Im Landtag haben wir gemeinsam – in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – der Opfer der Flutkatastrophe gedacht.
Auch ich erinnere mich noch sehr genau an diesen Tag.
Nur wenige Tage zuvor war ich als Landtagskandidat aufgestellt worden. Gleichzeitig waren wir gerade in das Haus meiner Großeltern gezogen und mitten in der Renovierung. Am Morgen des 14. Juli regnete es bereits ununterbrochen. Deshalb ließ ich noch schnell unseren fast vollen Bauschuttcontainer abholen, der sich immer weiter mit Regenwasser füllte. Damals konnte niemand ahnen, welche Bedeutung Schuttcontainer in den folgenden Wochen und Monaten für so viele Menschen haben würden.
Am Abend saßen wir beim Stammtisch im Haus Oberkampf. Schon auf dem Weg dorthin machte mir der ungewöhnlich hohe Pegel der Hönne Sorgen. Noch bevor das Essen serviert wurde, erreichte uns der Anruf eines Stammtisch-Freundes aus dem Griechenland-Urlaub: In Balve liefen bereits erste Keller voll Wasser. Er bat uns, den Keller seines Hauses in der Mendener Innenstadt auszuräumen. Natürlich machten wir uns sofort auf den Weg.
Als wir ankamen, trat die Hönne bereits über die Ufer. Wenige Minuten später lief das Wasser in die ersten Kellerräume.
Kaum zurück bei Oberkampf, kam der nächste Hilferuf. Wieder ging es los. Und so verbrachten wir die Nacht damit, an verschiedenen Stellen in der Mendener Innenstadt zu helfen, zu tragen, zu retten, was noch zu retten war. Gegen drei Uhr morgens fiel ich erschöpft ins Bett.
Den Abend über erreichten mich immer mehr Nachrichten aus dem Märkischen Kreis. In Altena verlor ein Feuerwehrkamerad sein Leben in den Fluten, in Werdohl starb ein Feuerwehrmann im Einsatz an einem Herzinfarkt.
Am nächsten Morgen wurde deutlich, dass die Städte meines heutigen Wahlkreises im Vergleich zu anderen Regionen noch vergleichsweise glimpflich davongekommen waren. Sachschäden sind schlimm – aber sie lassen sich ersetzen. Menschenleben nicht.
In Nordrhein-Westfalen verloren 49 Menschen ihr Leben. Ganze Existenzen wurden innerhalb weniger Stunden zerstört. Das Leid in der Eifel, an der Erft und in Rheinland-Pfalz war unermesslich.
Was mir aber ebenso in Erinnerung geblieben ist, ist die beispiellose Hilfsbereitschaft. Auch ich habe in den Tagen danach mit angepackt, Schlamm und Schutt beseitigt und Freunden geholfen. Überall boten Menschen ihre Unterstützung an. Kontakte wurden genutzt, um Bagger, Pumpen oder Container zu organisieren. Fremde wurden zu Helfern. Aus Nachbarn wurden Freunde.
Die Flut hat uns gezeigt, wie verletzlich wir sind. Sie hat aber auch gezeigt, wie stark unsere Gesellschaft sein kann, wenn Menschen füreinander einstehen.
Heute gedenken wir der Opfer. Und wir danken allen, die damals geholfen haben – den Einsatzkräften, den vielen Ehrenamtlichen und den unzähligen Bürgerinnen und Bürgern, die in dieser schweren Zeit Verantwortung übernommen haben.
Vergessen wir nicht, was geschehen ist – und bewahren wir uns den Zusammenhalt, der unser Land damals getragen hat.