80 Stimmen aus NRW

Bürgerrat bringt neue Perspektiven in den Landtag.

Wie können Bürgerinnen und Bürger stärker in politische Diskussionen einbezogen werden – auch diejenigen, die sich bislang vielleicht nur wenig mit Landespolitik beschäftigen? Nordrhein-Westfalen geht dafür mit seinem ersten Bürgerrat einen neuen Weg. 80 zufällig ausgewählte Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichem Bildungshintergrund sollen ihre Erfahrungen, Sichtweisen und Ideen in die politische Debatte einbringen.

Ziel ist hier nicht, die parlamentarische Demokratie zu ersetzen, sondern zu ergänzen. Die politischen Entscheidungen bleiben beim gewählten Parlament. Vielmehr sollen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen und Erfahrungen miteinander ins Gespräch kommen und ihre Perspektiven anschließend in die parlamentarischen Beratungen einfließen lassen.

Politik lebt davon, dass wir nicht nur über die Menschen sprechen, sondern ihnen auch zuhören. Ein Bürgerrat kann uns zusätzliche Perspektiven eröffnen – gerade von Menschen, die sonst vielleicht nicht regelmäßig mit Politik und Parlament in Berührung kommen.

Für den ersten Bürgerrat hat der Landtag ein konkretes Zukunftsthema gewählt: Im Mittelpunkt steht die generationenübergreifende Daseinsvorsorge und die Frage, wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz dazu beitragen können, auch bei Krankheit oder Pflegebedarf ein möglichst selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Der entsprechende Antrag wurde im Dezember 2025 mit den Stimmen von CDU, SPD, Grünen und FDP angenommen.

Das ist ein Thema, das früher oder später nahezu jede Familie betrifft. Digitale Lösungen und Künstliche Intelligenz bieten viele neue Möglichkeiten. Entscheidend ist aber, dass wir nicht nur über technische Entwicklungen sprechen, sondern darüber, was sie für den Alltag der Menschen bedeuten und wo sie tatsächlich helfen können.

Mit dem weiteren Verfahren beschäftigt sich nun auch der Ausschuss für Heimat und Kommunales, dem ich angehöre. Die aktuelle Unterrichtung zum Bürgerrat wird neben dem federführenden Hauptausschuss zudem im Ausschuss für Bauen, Wohnen und Digitalisierung und im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales beraten.

Für mich liegt gerade in dieser Verbindung von Bürgerbeteiligung und parlamentarischer Beratung der besondere Wert. Am Ende tragen wir Abgeordneten die Verantwortung für politische Entscheidungen. Aber gute Entscheidungen brauchen unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen. Deshalb ist es wichtig, zuzuhören, miteinander zu diskutieren und die Perspektive der Menschen vor Ort mit an den Tisch zu holen.

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